Sprache auswählen

Dieses Jahr habe ich die Cistrose krankheitsbedingt etwas später geerntet, aber noch glänzt sie klebrig in der Sonne, hier und da etwas staubig, aber mit schönem Aroma.

Die Cistrose (Cistus ladanifer) wächst in Portugal und im Mittelmeerraum auf trockenen, kargen Böden. Sie ist aus dem Hinterland der Algarve nicht wegzudenken und bedeckt ausgedehnte Flächen und Hügel, so weit das Auge reicht. Sie ist ein immergrüner Strauch, der über zwei Meter hoch werden kann.
Die Cistrose ist Segen und Fluch zugleich. Sie ist eine pyrophyte Pflanze, d. h. sie ist an Feuer angepasst und profitiert sogar davon. Bei den immer wieder auftretenden Waldbränden wirkt sie durch ihr Harz, das reich an ätherischen Ölen ist, wie ein Brandbeschleuniger. Gleichzeitig ist sie nach der Zerstörung eine Pionierpflanze, die sich schnell wieder ansiedelt. Durch das Feuer wird die Keimhemmung aufgehoben, sie keimt besonders schnell und hat auf der verbrannten Erde wenig Konkurrenz. Zusätzlich wirkt die Asche wie Dünger und sorgt für schnelles Wachstum. Dadurch minimiert die Cistrose zwar die Erosion der verbrannten Flächen, lässt aber kaum Raum für andere Pflanzen.

Die Pflanze schützt sich mit ihrem Harz vor Trockenheit, Hitze und Fressfeinden. An warmen Tagen, wenn sich schon sehr viel Harz gebildet hat, liegt das warme, balsamische und leicht süße Aroma der Cistrose in der Luft.

Die Blütezeit ist von März bis Mai. Die großen, strahlend-weißen Blüten bleiben nur einen Tag geöffnet und fallen dann ab. Da die Pflanze aber sehr blühfreudig ist, erscheinen jeden Tag neue Blüten. Die dunklen, fast blutroten Flecken galten einst als Hinweis auf ihre Anwendung als Heilpflanze bei Wunden und Blutungen.

Cistrosenernte am StauseeDas Pflanzenwasser wird im Sommer aus den jungen, harzüberzogenen oberen Trieben der Pflanze destilliert. Die Ernte ist eine äußerst klebrige Angelegenheit und man tut gut daran, nur alte Handschuhe und Kleidung zu tragen. 

Der Duft des Cistrosenwassers ist warm, balsamisch, harzig, ambraartig. Als Raumspray schafft es eine warme, sinnliche Atmosphäre. Auf die Psyche wirkt das Cistrosenwasser entspannend, wärmend und hilft, emotionale Blockaden zu lösen. Der warme Duft der Cistrose wirkt sehr tief und wird unterstützend bei seelischen Traumata eingesetzt. 

Das Cistrosenwasser wirkt auf körperlicher Ebene blutstillend und wundheilend. Es hat eine abschwellende, antivirale, antibakterielle und antiinfektiöse Wirkung. Auf kleine Verletzungen und Schnitte aufgesprüht, hat es fast schon eine Funktion wie ein Sprühpflaster. 
Das Hydrolat eignet sich gut zur allgemeinen Hautpflege und hilft darüber hinaus bei der Behandlung verschiedener Hauterkrankungen mit Juckreiz und Ekzemen.  Wenn es zu stark ist, kann es mit einem milden Pflanzenwasser, wie zum Beispiel Lavendel im Verhältnis 1:1 gemischt werden. 

Auch Haustiere, vor allem Hunde und Pferde, profitieren von der heilsamen Wirkung der Cistrose. Als mein Hund einen juckenden Hautausschlag entwickelt hatte, der schwierig zu behandeln war, tat ihm mehrmaliges tägliches Einsprühen offensichtlich sehr gut. Nach kurzer Zeit legte er sich schon bereitwillig hin, wenn er mich mit der Sprühflasche kommen sah.